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Artikel 

geschrieben von: t-. am Montag, 12. Dezember 2005, 19:22 Uhr ||| 2434 Aufrufe


Quelle: Korso (November 2005)
Ein korso Interview. www.korso.at

Mit Unterbrechung in den Jahren 1995 bis 2000 durch Peter Schachner-Blazizek war das Kulturressort des Landes in 60 Jahren steirischer Nachkriegsgeschichte von der Volkspartei dominiert. Am 7. November des Jahres übernahm der zweite Landeshauptmann-Stellvertreter und Landesrat Kurt Flecker von der SPÖ zu seinen bisherigen Agenden Arbeit und Soziales auch die Kultur in der Steiermark. Christian Stenner und Wenzel Mracek sprachen mit LH-Stv. Kurt Flecker.



Herr Dr. Flecker, Sie haben ein abgespecktes Kulturressort übernommen – wie nach den letzten beiden Wahlen blieb die Volkskultur außen vor. Viele Kulturschaffende haben sich in den letzten Jahren gegen diese Trennung gewandt - sind Sie persönlich damit zufrieden?

Mir ist die Unsinnigkeit dieser Trennung durchaus bewusst. Andererseits bin ich der Meinung, dass man von einem Politiker zwar verlangen kann, sich selbst total zurückzunehmen und seinen persönlichen Neigungen kein Gehör zu schenken – das macht aber letztendlich keinen Sinn. Aus dieser Sicht bin ich nicht sehr traurig, man hat mir einen Gewissenskonflikt erspart. Ich möchte aber betonen, dass ich nicht der Urheber dieser Konstellation bin, die ist ja bekanntlich zwischen dem Landeshauptmann und dem ersten Landeshauptmannstellvertreter entschieden worden.

Die IG Kultur verlangt in einer Resolution aus dem Vorjahr eine Anhebung des Kulturanteils am Landesbudget von derzeit 1,7 Prozent auf 3,5 Prozent und beruft sich dabei auf die Salzburger Zahlen.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um das operative Budget ohne den Rundfunkschilling. Natürlich werde ich um Mittel für mein Ressort kämpfen. Wenn ich aber sehe, was auf uns zukommt – ich bin auch der Finanzsprecher unserer Fraktion – dann halte ich die Chancen, zusätzliche Mittel zu bekommen, für eher problematisch. Ich werde allerdings versuchen, das Budget zu bereinigen. Das heißt zum Beispiel, dass es in Zukunft sicher keine jährlichen Landesausstellungen mehr geben wird. Damit wird eigentlich auch niemandem etwas abgehen. Es kann nicht Sinn und Zweck sein, jedes Jahr Landesausstellungen als Ziel für Schüler- und Seniorenausflüge zu gestalten, während Inhalte und Qualität solcher Ausstellungen nachgereiht werden.

Welche der vergangenen Landesausstellungen hat Sie denn selbst interessiert?

Sehr interessiert hat mich "Jugend und Jugendkultur" in Radkersburg. Es hat eine Top-Eröffnung stattgefunden und ich habe mir gedacht, das ist eine gute G’schicht. Dann bin ich in die Ausstellung gegangen, die sich – warum auch immer – um die Zeit der 1960er Jahre gedreht hat. Diese Ausstellung aber war in einem derartigen Ausmaß dilettantisch, dass ich mir gesagt habe, hier ist jeder Schilling zuviel ausgegeben. Ich kenne diese Zeit und habe sie mitgelebt – dort habe ich sie sicher nicht wiedergefunden.

Das heißt, Sie werden den schon von Hirschmann avisierten Zweijahresrhythmus der Landesausstellungen verwirklichen?

Vor allem habe ich eine Vorstellung von künftigen Landesausstellungen. Entsprechend einem Arbeitstitel werden dann etwa Kunstausstellungen nicht in Graz, sondern am Ort der Landesausstellung stattfinden. Regionale Initiativen und damit die regionale Bevölkerung müssen in das Programm eingebunden werden; die müssen wissen, dass da etwas los ist. Natürlich macht es Sinn, Orte zu verschönern, dafür sind aber andere zuständig.

Im Kulturressort wurde mit der Kulturservice GmbH eine Parallelstruktur aufgebaut, wie sich etwa am Beispiel der Bewerbung der diesjährigen Landesausstellung nachweisen lässt: Das Land beauftragte die KSG, der KSG-Geschäftsführer einen ehemaligen Krone-Journalisten, der dann für die Gestaltung von Anzeigensujets wiederum eine Agentur beauftragt hat. Ursprünglich sollte der Zweck der KSG ja in der Kosten sparenden Verkürzung solcher Delegierungen liegen.

Die KSG an sich will ich außer Streit stellen, weil ich nicht als der politische Racheengel durch die Welt fahren will. Mir geht es darum, sie auf das zu reduzieren, wofür sie gegründet wurde. Die KSG hat die Aufgabe, als Dienstleister Kunst und Kultur zu bewerben. Das betrifft im Übrigen auch die Produktionen der so genannten freien Szene. Mir ist unerklärlich, wie es dazu kommen kann, dass die KSG für 2006 eine inhaltliche Leitlinie unter der Devise "Paradies" ausgegeben hat, wie ich höre.

Das entspricht dem heuer praktizierten Carmen-Schwerpunkt mit Joanneums-Ausstellung rund um die Operninszenierung von Harnoncourt.

Die KSG wird sicher nicht die Inhalte der Kulturpolitik eines Jahres vorgeben. Vielleicht muss man die Diskussion auch einmal in die Richtung führen: Was darf ein Kulturpolitiker und was soll er? Ich will Kulturpolitik nicht als Zensor machen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass man Schwerpunktsetzungen aus gemeinsamer Arbeit mit Einrichtungen wie dem Kulturbeirat auch als politische Entscheidung versteht. – Aber dass der Herr Rinner [Geschäftsführer KSG] so etwas macht, befremdet mich.

Sie haben sich in einem kürzlich veröffentlichten Interview nicht als großer Freund des Kulturbeirates [d.i. der nach Kulturförderungsgesetz eingesetzte Förderungsbeirat, bestehend aus mindestens acht Mitgliedern, der zur Entscheidungsfindung Fachbeiräte heranziehen kann] gezeigt, dieser sei "auf Leute zugeschnitten, die sich auf andere ausreden wollen" [Zitat Flecker in der Kleinen Zeitung].

Es hängt von Typus des Kulturpolitikers oder damals der Kulturpolitikerin ab, wie damit umgegangen wird. Unter Klasnic haben sich die Absichten der Beteiligten insofern getroffen, als sich einerseits viele einbringen wollten, um selbst mitgestalten zu können, andererseits hat sich die Kulturreferentin froh gezeigt, dass andere die Verantwortung übernommen haben. Das will ich nicht. Ich will die Verantwortung übernehmen und ich sehe es als Herausforderung, mit dem Beirat als Dialogpartner zu arbeiten. Die Letztentscheidung muss und wird aber bei mir liegen. Der Förderbeirat stellt aber auch eine Verbürokratisierung der Kulturpolitik dar. Wir werden natürlich das Kulturförderungsgesetz vollziehen, wir müssen aber sehen, wer im Beirat sitzt. Dort darf sich nicht das Match der Unvereinbarkeit abspielen.

Wie wollen Sie mit der List-Halle weiter verfahren, die sich immer mehr als Klotz am Bein des steirischen herbst erweist?

Ich bin mit der List-Halle als Aufsichtsrat der "alten" Herbst-Gesellschaft konfrontiert, die die Halle vermarktet. Ich halte aber nichts davon, von einer Tasche in die andere zu bezahlen, indem ich den neuen herbst verpflichte, dem alten herbst für 60 Tage eine Hallenbenützung zu bezahlen. Wenn die Intendantin die Halle aber benützen will, hätte das Sinn. Vor allem müsste man aber die List-Halle in ihrer Funktion als Tempel hinterfragen. Ich wiederhole an dieser Stelle meine Überlegung, sie auch für Events der Punk-Szene zu nutzen – das wäre ein notwendiger Schritt für eine Entweihung.

Als Konzerthalle ist sie aber erwiesenermaßen hervorragend. Ich kann aber nicht, wie es Oswald verlangt hat, alle europäischen Spitzenorchester nach Graz holen, damit die List-Halle bespielt wird. Mir ist bei den Veranstaltungen, die ich in der List-Halle besucht habe, aufgefallen, dass dort zwar Musik-, nicht aber Sprechtheater in entsprechender Qualität aufgeführt werden kann. Wie komme ich auf 150 Tage Musiktheater im Jahr? Das ist ein Erbe einer verfehlten Politik.

Herbst-Intendantin Veronika Kaup-Hasler hat in einem öffentlichen Gespräch vom "politischen Willen" gesprochen, nach dem sie gehalten sei, die Halle zu bespielen. Ist dieser politische Wille also nunmehr Vergangenheit?

Das Korsett, wonach sie die Halle 60 Tage nutzen muss, ist gefallen. Ich halte es für idiotisch, einer Intendantin den Veranstaltungsraum zu oktroyieren.

Themenwechsel: Aufgrund des Falls des Kommod-Hauses vor zwei Jahren und einiger anderer Problemobjekte werden Stimmen laut, die ein Landesgesetz fordern, nach dem Expertisen der Altstadtsachverständigen-Kommission für Entscheidungen zu Bauvorhaben bindend werden sollen.

In Vorgesprächen zur Regierungsbildung hat es in diesem Sinn auch Gespräche mit den Kommunisten gegeben, die das sehr vehement eingebracht haben. Ich glaube auch, dass die Grünen in diese Richtung gehen und wir haben überhaupt kein Problem damit, wir werden das sicher forcieren. Ich halte den Umgang der Investoren mit den betroffenen Objekten für unsittlich.

Wie stehen sie zur derzeitigen Organisation des Landesmuseums Joanneum?

Ich habe mir jetzt das Organigramm angesehen: Dass jemand Geschäftsführer ist, weiters zuständig für Außenbeziehungen und Kundenbindungen, darüber hinaus Departmentleiter für den Kunstbereich und im Kunstbereich noch zwei Häusern vorsteht, das vermag ich schwer zu verstehen. Übrigens ist es sehr interessant, wenn Sie das Organigramm lesen, so gibt es ein Department Kunst und daneben gibt es das Department Kultur. Man möge mir diese Teilung erklären. Ich möchte doch dafür sorgen, dass wir Allmacht nicht zulassen. Ich will hier aber niemandem etwas ausrichten, ich setze auf das vernünftige Gespräch.

Viele im Kulturbereich Beschäftigte sind gezwungen, unter McJob-Bedingungen zu arbeiten, weil durch das Kulturbudget im Grunde nur Projektförderungen gewährt werden … ein Fall für den Sozial- und Kulturlandesrat?

Ich möchte ähnlich vorgehen wie im Sozialbereich: Für bestimmte Einrichtungen sollen dreijährige Basissubventionen vorgesehen werden, die nicht an ein Projekt, sondern an den Betrieb einer Einrichtung gebunden sind.

Gibt's eine kulturpolitische Botschaft, die sie spontan an unser Leserpublikum richten möchten?

Ja, nämlich die, dass ich auch Rockmusik für eine förderungswürdige Kunstform halte.


(>>> zurück)


t-.
12.12.2005, 19:25
korso: Informationsmagazin für die Steiermark: Berichterstattung über sozial, wirtschaftlich, ökologisch, demokratiepolitisch und kulturrelevante Themen.

- erhältlich als abo (mail an korso@korso.at, 16¤ 1Jahr)

- oder online unter: www.korso.at

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