g24.at
  finden
Gast
User:
Pass:
 Cookie setzen
  Join!
 Features Registrierung:
  • kostenlos
  • Postings verfassen
  • Beiträge einreichen
  • Termine eintragen
  • g24 Galerie & -archiv
  • Instant-Messaging

Dokumentarfilmreihe

agit.DOC Dokumentarfilmreihe

graz network



neu im forum
ThemenAntw.Aufrufe
lese BeitragEin Auto für 5 Monate(13)(1071)
lese BeitragKlangwolke 9. bis 17. Sep. 2017 in Linz(0)(10)
lese BeitragSa 26.08: SUb-Sommerfest 2017(0)(24)
lese BeitragSa.12.08. Best of the 80s @ Postgarage(0)(112)
lese Beitrag070717(1)(133)

(zum Forum)


kalender
<< August 2017 >>
  M D M D F S S
> 31 01 02 03 04 05 06
> 07 08 09 10 11 12 13
> 14 15 16 17 18 19 20
> 21 22 23 24 25 26 27
> 28 29 30 31 01 02 03

Artikel 

geschrieben von: koax am Mittwoch, 07. Januar 2015, 20:42 Uhr ||| 2645 Aufrufe


Mag.a Kerstin Rajnar, MA lebt und arbeitet in Wien und Graz. Sie hat einen Master in Media and Interaction Design (FH-Joanneum Graz) abgeschlossen und davor Bühnengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz studiert. Ihre Arbeit findet im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design statt. Besser bekannt ist sie unter ihrem Künstlerinnensynonym „frau mag rosa pink“. Im Moment arbeitet sie als Initiatorin des weltweit ersten und wahrscheinlich einzigem Vaginamuseum. Das Interview dreht sich um Steine, die man in den Weg gelegt bekommt und der Notwendigkeit eines solchen Museums. Wir erfahren etwas über die Entstehungsgeschichte und manchmal geht’s auch bloß um Farben und dem doch nicht unwesentlichen Unterschied zwischen Rosa und Pink. Interviewer: Christian Kahr für helve.org

Helve: Frau Mag. Rosa Pink ist doch ein sehr eigenwilliges Künstlersynonym. Ein besonderer KünstlerInnenname. Woher kommt er und wie ist es dazu gekommen?

Kerstin Rajnar: 2002 schloss ich mein Studium zur Bühnenbildnerin ab und da stand die Frage im Raum wie ich mit diesem Titel umgehen soll. Da ich die Farben Rosa und Pink mag, damals schon Rosa und Pink gekleidet war und gleichzeitig Magistra bin ist die Persiflage auf den Magistra Titel entstanden. Aber ich muss dich dahingehend korrigieren, es spricht und schreibt sich „frau mag rosa pink“.

Helve: Arbeitest du noch aktiv als Bühnenbildnerin?

Kerstin: Wenn sich die Möglichkeit ergibt in dem Bereich tätig zu sein, mache ich es nach wie vor gerne, aber der Beruf der Bühnenbildnerin ist für mich eigentlich kein Thema mehr. Die letzte Bühnenbildarbeit war vor ca. zwei Jahren, da habe ich für die Design Agentur “dmcgroup” in Wien ein illustratives Szenenbild für ein Imagevideo gestaltet. Die Arbeit an sich hat mir sehr gefallen. Aber es ist einfach nicht mehr mein primärer Arbeitsbereich, dennoch hat sich über die Jahre hinweg herauskristallisiert, dass sich das Thema Bühnenbild in meinem Kunstschaffen weiterzieht. Sich selbst Raum nehmen, aber auch das Ermöglichen von Raum für Andere ist mein Anliegen. Das Arbeiten mit dem Raum, egal ob real oder virtuell oder als Metapher gesehen ist bei mir immer präsent.

Helve: Ist frau mag rosa pink gleich Kerstin Rajnar, oder sind das schon zwei verschiedene Welten für dich?

Kerstin: Am Anfang, wenn ich mich recht erinnere, gab es noch die Idee, dass die private Kerstin Rajnar, die nach Außen geht um Fördergelder zu beantragen, immer Weiß angezogen ist und frau mag rosa pink dafür da ist, Kunst umzusetzen. Irgendwie hat das aber so nicht funktioniert (lacht) denn ich bin ich und ich kann mich nicht verstellen oder in zwei Hälften teilen.

Helve: Du hast das Studium für „Media and Interaction Design“ an der FH-Joanneum in Graz abgeschlossen. Ist es lediglich ein weiteres Betätigungsfeld deinerseits, oder steckt da mehr dahinter?

Kerstin: Ich hatte bereits mit dreizehn, vierzehn Jahren den Wunsch Grafikerin zu werden. Deswegen bin ich auf die HTBLVA für Kunst und Design in Graz gegangen. Dort wurde mir aber gesagt, dass ich mit dem Raum arbeiten und alles viel größer denken soll. Man gab mir das Gefühl, dass die Arbeit im Grafikdesign so klein und detailliert ist und nichts für mich ist. Aus diesem Grund habe ich dann die Abteilung für Dekorative Gestaltung (Produktdesign und Präsentation) gemacht und ein paar Jahre später Bühnengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz studiert. Vor ein paar Jahren hat mich aber der Wunsch, Grafik und Kommunikationsdesign zu studieren, wieder eingeholt und ich habe mich mit Orhan Kipcak in Verbindung gesetzt. Diese Ausbildung hatte sich in Hinblick auf das VAGINAMUSEUM.at bewährt, da der Studieninhalt stark in Richtung Mediengestaltung wie Kommunikations- und Interaktionsdesign ausgerichtet war. Es war keine dezidierte Ausbildung im Grafik- oder Videodesign, die Ausbildung gab mir diesbezüglich einen allgemeinen Überblick. Ebenso das Bühnenbildstudium, wo es stark um Raumdesign und Konzeption gegangen ist. Manchmal hole ich mir für Projekte aber auch gerne Professionist_innen an Bord (lacht). Durch die Studien habe ich zumindest ein Gespür und einen Überblick bekommen, was es auf dem Markt gibt, was dort funktioniert und was eben nicht.

Helve: Arbeiten von dir haben immer auch etwas haptisches, greifbares an sich. Man hat es dabei immer mit einer Fläche oder einem Raum zu tun und das merkt man auch bei deinen Bildern.

Kerstin: Ja, stimmt. Die Serie „RosaRot“ von 2003, die kleine Welten in Form von Triptychon-Altären zeigt, hat das bestimmt. Es ist nicht wirklich malerisch und es sind keine wirklichen Skulpturen deshalb habe ich diese Art der Malerei „Skulpturale Malerei“ genannt. Diese Art zu arbeiten ist aber gar nicht mehr in meinem Fokus. Ich habe mich unlängst mit dem Thema Blumen beschäftigt und am Computer digitale Bilder gemalt aber ich merke, dass es für mich immer mehr in Richtung Projektkonzeption geht.

Serie RosaRot Hirnwix
Hirnwix (Serie RosaRot) // 2003 Holzbox, Jute, Leim, Acryl, el. Lichterkette, Plastikspielzeug, Lack geschlossen: 103 cm x 50 cm / offen: 103 cm x 100 cm © Kerstin Rajnar

Helve: Eine aktuellere Arbeit deinerseits, die Blumenbilder waren unlängst in der Sechsschimmelgalerie in Wien zu sehen. Du hast dazu gesagt, dass man auch mal was Schönes machen muss oder dass das Leben ja auch schön ist. Ist das Leben wenn man was anderes macht dann nicht so schön oder war dabei das Gefühl im Vordergrund, dass solche Bilder auch Platz haben dürfen?

Kerstin: Genau. Blumenbilder zu malen wird in der Kunstszene etwas belächelt, sollte aber durchaus auch Platz haben. Ich habe daran ohne den Gedanken, warum ich jetzt Blumen male und auch ohne dieser Begründung nach Außen gearbeitet. Ich wollte digitale Blumen malen, Punkt.

Blumenbilder Lilie
Lilie (Serie Blumenbilder) // 2014 Digitalprint auf Leinwand 80 cm x 40 cm © Kerstin Rajnar

Helve: Du arbeitest mit unterschiedlichsten Materialien und der Ausgangspunkt deiner Arbeiten ist oft das Ich als Individuum, welches bei den Überlegungen zu einer Arbeit im Mittelpunkt steht. Woher kommt dieser starke Bezug auf dich selbst und ist das nicht manchmal auch etwas schwer sich selbst, auch mit unangenehmen Dingen nach Außen zu stellen? Oder anders gefragt: Fühlst du dich dann wohl, ist das einfach deines oder eine Herangehensweise mit der du dich dann auch etwas spielst?

Kerstin: Man schöpft ja die Kreativität und das Schaffen wollen, und ich denke das das anderen Künstler_innen auch so sehen, von Innen heraus. Ich behaupte, dass ich ein recht reflektierter Mensch bin. Daraus ergeben sich dann die Themen. Oder ich arbeite nach Vorgaben. Wie zum Beispiel bei der Arbeit „Papua New Guinea – Monaco (2014) zu FLAG METAMORPHOSES“ (Konzept und Produktion Myriam Thyes, Düsseldorf, 2005). Da ist ein Flashvideo entstanden. Bei der Arbeit „Das Herz ist nicht nur ein Organ“ im Jahr 2013 war ich bei der Mühle Schwarzau – Raum für zeitgenössische Kunstformen eingeladen zum Thema Wunschtraum und Utopie (Idee und Konzept Andrea Schlemmer) zu arbeiten. Es galt eine Plakatwand an der B73 zu gestalten. Meinen emotionalen Wunschtraum, meine Utopie, habe ich als Werbeslogan verpackt und illustrativ geschmückt und gestaltet.
Das Herz ist nicht nur ein Organ // 2013 Plakatwand an der B73 Foto: Andrea Schlemmer

Das Herz ist ein Organ
Das Herz ist nicht nur ein Organ // 2013 Plakatwand an der B73 Foto: Andrea Schlemmer © Kerstin Rajnar

Meine eigenen Fragestellungen an das Leben oder an das System versuche ich mit den Mitteln der Kunst zu lösen. Dadurch ergibt sich automatisch ein Selbstbezug, da ich ja stark aus meinem Inneren schöpfe. Diese persönlichen Anliegen und Fragen sind oft auch gesellschaftlich relevant, so auch bei dem Projekt VAGINAMUSEUM.at.

Helve: Das VAGINAMUSEUM ist das erste Museum, dass sich ausschließlich mit dem weiblichen Geschlechtsorgan beschäftigt. Wie kam es zu der Idee?

Kerstin: Die Idee hatte ich Anfang 2011. Ich bin damals mit zwei weiteren Künstlerinnen zu einem Artist in Residence Programm nach Judenburg eingeladen worden um zum Thema 100 Jahre Frauenrechte zu arbeiten. Doris Jauk-Hinz, Nicole Oberrainer und ich konzipierten dort das Projekt „BEWEGTE STANDPUNKTE“ und ich habe mich mit dem Thema „Frauen brauchen Raum“ beschäftigt und den „PaketRaum“ initiiert. Zu diesem Zeitpunkt ist dann die Idee entstanden ein Vaginamuseum zu realisieren. Ich habe daraufhin ziemlich ausgiebig zum Thema recherchiert, aber wenig ähnliches gefunden. Es gab eine kleine Plattform in Deutschland, die momentan wieder verschwunden scheint. Ich habe das isländische phallologische Museum in Reykjavik von Hjortur Gisli Sigurdsson gefunden, aber kein dezidiertes Vaginamuseum. Im Zuge der Recherchen und der Arbeit hat sich dann herausgestellt, dass das Thema des weiblichen Geschlechts ein Tabuthema ist und nach wie vor zu provozieren scheint. Die Vagina wird pornografisiert und ist negativ besetzt. Schon allein bei der Erwähnung schämen sich die Menschen, werden rot oder lachen drüber. Ich bin noch vor Projektstart medial angegriffen worden, vor allem wie es um die Subventionen gegangen ist. Eine kleinformatige österreichische Boulevardzeitung hat sich da äußerst negativ und unvorteilhaft über die Entscheidung der FördergeberInnen geäußert.

Helve: Es war negative Werbung, aber doch auch Werbung, oder?

Kerstin: Es war eine Herabwürdigung der Weiblichkeit. Um dieses Projekt umsetzen zu können waren große Hürden, regelrechte Felsen, zu besteigen. Ich habe bei sehr vielen Stellen um Subventionen angesucht und nicht einmal 50% waren bereit dieses Projekt zu fördern. Ich erhielt auch von etlichen Frauenorganisationen eine Absage. Da gab es dann die dubiosesten Ausreden, keine Ahnung was sie sich alle gedacht haben, oder hatten sie alle Angst, ich weiß es nicht. Die Realisierung des Museums war eine lange, schwere und schmerzhafte Geburt. Es war für mich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr nachvollziehbar, zeigte mir aber auch die Notwendigkeit eines solchen Museums. Ich habe damals auch viel mit Doris Jauk-Hinz, die an meiner Seite war und die Eröffnungsausstellung „VAGINA 2.0“ konzipiert und kuratiert hat, diskutiert. Sie war für mich eine große Stütze und es war gesamt gesehen eine wirklich gute Zusammenarbeit. Diese Hürden zeigten mir einfach die Notwendigkeit, ein Vaginamuseum zu eröffnen. Wäre das weibliche Geschlecht und somit die Frau in unserem gesellschaftlichen Denken positiv integriert, dann wäre doch niemals so ein Auflehnen entstanden. Eine Veränderungen der Sichtweisen auf das weibliche Geschlecht und somit auf die Frau würden Vorurteile abbauen, würde Normen brechen und lässt die Wertschätzung der Weiblichkeit in den Vordergrund rücken.

Vagina 2.0
VAGINAMUSEUM.at // 2014 Eröffnungsausstellung VAGINA 2.0 _ Doris Jauk-Hinz (Konzeption / Kuration) © Kerstin Rajnar

Helve: Es ist ein Thema wo manche Menschen Berührungsängste haben. Ich denke auch dass es für (junge) Frauen kein schlechter Ort ist um sich mit der eigenen Sexualität zu beschäftigen, oder anders gesagt, gut dass es den Platz gibt auch wenn es nur virtuell ist…

Kerstin: Nicht nur für Frauen. Das Museum ist ein virtueller Ort für Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft. Vorerst wurde auch aufgrund der Subventionszusagen von vorwiegend kulturellen Institutionen (bm:ukk Ab V/7, Land Steiermark Ab 9, Stadt Wien MA 7 – Neue Medien, Stadt Graz Kultur), die Schwerpunkte Kunst und Kultur ausgearbeitet. Es ist allerdings noch mehr geplant.

Helve: Mir ist eben auch aufgefallen, dass der kulturhistorische Bereich sehr gut ausgearbeitet ist.

Kerstin: Sara Buchbauer hat das Konzept, die wissenschaftliche Ausarbeitung und den Text für den Archivbeitrag KUNSTGESCHICHTE verfasst und emsigst an dessen Umsetzung gearbeitet. Anfangs waren ganz viele Ideen und umfassende Themen vorhanden, die wir vom Umfang her etwas reduzieren mussten. Die Frage was man erwähnt oder weg-lässt und die Frage was primär wichtig ist, und was davon nicht, war nicht immer einfach zu lösen. Einerseits war es das Ziel diesen Bereich wissenschaftlich aufzubereiten. Anderseits sollte der Bereich für jede Person, egal ob männlich oder weiblich, egal welcher Religion zugehörig, egal welcher sozialer Herkunft, einfach, verständlich und gut lesbar sein. Die Herausforderung lag auch in der Einteilung der unterschiedlichen Epochen, da sich Jene manchmal überschneiden. Man könnte zu jedem Werk eine Abhandlungen von über tausend Seiten schreiben. Aber wie bringt man das Wichtige auf den Punkt? Sie hat den Bereich sehr übersichtlich und gut strukturiert.

Das Museum war aber auch grafisch eine Herausforderung. Es galt etwas Spezielles zu finden und uns beschäftigte die Frage, wie man von dem normalen Webseitenkonzept wegkommt. Das Logo ist ein Punkt und in der Art hat es das auch noch nicht gegeben. Ein Punkt der als Öffnung verstanden werden kann und in die Vagina führt. Das erste Gestaltungselement ist ein metaphorisch dargestelltes weibliches Geschlecht. Navigiert man in die Ausstellung verwandelt sich diese Metapher zu einem Diamanten, der von Künstler_innen bespielt wird, oder es verwandelt sich in eine Blume wenn man in den kunsthistorischen Bereich navigiert. Es war spannend und so gesehen war es auch puncto Design eine lange Geburt. Aber das Konzept macht schlussendlich Sinn.

Vaginamuseum
VAGINAMUSEUM.at // 2014 VAGINAMUSEUM.at _ Kerstin Rajnar (Idee / Konzeption / Organisation) © Kerstin Rajnar

Helve: Wie viele WebseitenbesucherInnen habt ihr an einem Tag?

Kerstin: Pro Tag kann ich das nicht sagen, aber im ersten Monat der Eröffnung gab es ca. 37.000 Zugriffe auf das Museum und aufgrund der Zweisprachigkeit bekommen wir auch viele internationale Reaktionen. An dieser Stelle möchte ich ein Dankeschön an die Übersetzer_innen Christine Wilhelm und Karin Seifter aussprechen. 37.000 Klicks, das ist eine Menge. Jetzt, wo der Alltag eingekehrt ist, haben wir drei- bis viertausend Zugriffe im Monat. Als die österreichische Nachrichtensendung “Zeit im Bild 2″ eine Beitrag brachte, konnte man für eine Viertelstunde nicht auf die Seite zugreifen. Es zeigt mir einfach nur, dass Interesse da ist.

Helve: Ist es für dich nicht etwas unbefriedigend, wenn du daheim sitzt und diese Webstatistiken anschaust, da du keinen direkten Kontakt zu den Leuten hast, wie es bei einem realen Museum denn der Fall wäre?

Kerstin: Ich bekomme sehr viele Mails. Es schreiben mich Leute aus der ganzen Welt an, die mit Ideen kommen und mich zu meiner Idee beglückwünschen und es entsteht eben dadurch ein positiver Austausch. Aber auch beim Interview bei Frau Elisabeth Scharang (Ö1 – Nachtquartier mit dem Titel „Zwischen Furcht und Fruchtbarkeit“ entwickelten sich interessante Diskussionen mit Hörer_innen unterschiedlicher Zielgruppen, die sich äußerst positiv zur Plattform geäußert haben.

Helve: Was ist in Zukunft geplant und können sich junge Künstlerinnen bei dir melden, wenn sie zu diesem Thema beziehungsweise mit diesem Thema arbeiten?

Kerstin: Wir hatten bei der ersten Ausschreibung mehr Einreichungen als erwartet. Eigentlich war geplant die Arbeiten von acht Künstler_innen auszustellen, insgesamt wurden es dann doch 17 Künstler_innen die bei Eröffnungsausstellung „VAGINA 2.0“ vertreten sind. Neun Kunstwerke sind ausschließlich netzbasiert. Der Rest sind spannende Ideen ausgeführt in Skulpturen, Malereien oder kleine Plastiken. Ursprünglich war der Gedanke keine Bilder zu zeigen, da es ein virtuelles Museum ist. Wir wollten ausschließlich dem Medium entsprechende Beiträge präsentieren. Aber es sind so viele spannenden Arbeiten mit vielen unterschiedlichen Ansätzen eingelangt und so haben wir die Ausstellung um Jene erweitert. Im Moment arbeiten wir am Konzept für die nächste Ausstellung und dem Konzept für den Archivbeitrag. Es wird auch wieder eine Ausschreibung geben, also Augen und Ohren offen halten.

Helve: Du bist ja ein sehr plastischer Mensch, wie ich dich kenne. Du hast früher auch viel mit dem Raum gearbeitet und kommst ja vom Bühnenbild. Geht dir jetzt, wo du sozusagen aus der zweiten Reihe heraus arbeitest, sprich das Vaginamuseum initiiert hast, persönlich etwas ab? Im Sinne von Gestaltung?

Kerstin: Die „skulpturalen Malereien“, meine Anfänge, waren extrem wichtig. Sie sind quasi der Grundpfeiler, auf dem ich aufbaue und so hat es begonnen. Gerade die Eröffnungsausstellung „VAGINA 2.0“ wirkt durch die Gestaltung und die Programmierung sehr plastisch und haptisch. Alleine wenn man mit der Maus über die einzelnen Felder navigiert, wie die Kunstwerke auftauchen und wieder verschwinden, finde ich ja gerade, dass das Museum extrem plastisch ist. Nebenbei sehe ich eine große Weiterentwicklung in meinem Schaffen und meiner Persönlichkeit und das freut mich.

Helve: Dein Bezug zur Farbe Rosa ist sehr präsent und das Museum ist ebenfalls in pinken Farben gestaltet. Was ist dein persönlicher Bezug zur Farbe generell und im speziellen zur Farbe Rosa beziehungsweise Pink?

Kerstin: Prinzipiell finde ich Farben wichtig. Farben sind für unser Leben wichtig, und aus einem vielleicht esoterischen Blickwinkel sind Farben auch für unsere Seele wichtig. Ich war immer schon ein Mensch der sich gerne mit Farben beschäftigt hat und auch sehr intensiv mit Farben beschäftigt hat. Auch von meinem Gewand her. Da war einmal die Phase Schwarz, dann kam eine rote Phase, dann Orange auch mal Gold. Dann war wieder eine meiner Phasen extrem Bunt und jetzt ist die Phase Pink. Die dauert jetzt schon ziemlich lange. Fünfzehn Jahre, oder so. Auch bei Pink gibt es unterschiedliche Abstufungen. Am Anfang dieser Phase war es ein „Babyrosa“, salopp gesagt. Es gibt da viele verschiedene Nuancen. Die Inuit haben zum Beispiel unterschiedliche Namen für die Farbe Weiß. Jetzt bin ich den Fuchsia- und Magentafarben sehr zugetan. Wenn man den Namen „frau mag rosa pink“ hernimmt, bin ich grad nicht die Frau Rosa sondern die Frau Pink (lacht).

Helve: Hast du das Gefühl, dass das Arbeiten mit der Farbe Pink es thematisch schwerer macht oder hast du dabei noch große gestalterische Freiräume? Oder anders gefragt in Richtung persönlicher Bedürfnisse: Hast du persönlich nicht auch mal Lust eine graue Jogginghose anzuziehen?

Kerstin: In der Kunst setze ich mir thematisch in diese Richtung keine Grenzen. Wenn es nicht Pink sein soll, dann ist es auch nicht Pink, dann soll es eine andere Farbe haben. Die Bühnenbilder waren nicht immer alle Pink und es waren auch in meinen Malereien nicht immer alle Arbeiten Pink. Bei meinem Gewand habe ich aber nie das Bedürfnis mal eine graue Jogginghose anzuziehen. Ich bin im Moment auch Pink angezogen (Interview fand über Skype statt. Anm. d Verf.). Es ist auch sonst alles um mich herum Pink, meine Regale, das Bett, der Tisch. Es wird ja oft behauptet Rot sei die Farbe der Liebe. Rot ist nicht die Farbe der Liebe, sie ist die Farbe der starken Emotionen. Das können positive wie auch negative Gefühle sein. Pink ist die Farbe der Liebe. Ich kann da nur Eva Heller zitieren, die 1989 ein Buch zum Thema Farbpsychologie (Wie Farben wirken: Farbpsychologie. Farbsymbolik. Kreative Farbgestaltung herausgegeben hat. Es ist eines der wenigen Bücher, welches sich mit Farbpsychologie beschäftigt. Sie hat da sehr schlüssig erklärt, dass Rot eine starke emotionale Farbe ist aber nicht rein die Farbe der Liebe ist. Das ist Pink.

Helve: Wie hast du eigentlich persönlich angefangen, dich mit deinem eigenen oder dem weiblichen Geschlechtsorgan thematisch zu beschäftigen und es dadurch zu einem Teil deiner Arbeit gemacht?

Kerstin: Ich habe keine Ahnung. (lacht) Es gibt gewisse Dinge, die man halt macht und man weiß in dem Moment gerade nicht warum man daran arbeitet. Erst Jahre später hat man dann dieses gewisse Aha-Erlebnis. Warum das Thema des weiblichen Geschlechts mir wichtig ist? Keine Ahnung, es ist Schön und Wichtig.

Helve: Hast du für die Zukunft noch andere Pläne im Moment oder bist du ganz und gar mit der Arbeit am Vaginamuseum ausgelastet?

Kerstin: Ideen für Projekte haben wir ja alle immer wieder. Haben sich gewisse Fragestellungen die ich mal hatte von selbst gelöst oder soll ich daran arbeiten? Es sind solche Fragen, die mich dann beschäftigen und ich freue mich immer wenn ein kleiner Auftrag kommt und ich mich neuen Herausforderungen stellen kann. Für eigene, zusätzliche Projekte finde ich gerade aber keine Zeit. Es ist das Museum, dass mich sehr einnimmt und an dem ich gerne arbeite. Da ist genug Platz für Raum, Ideen und Fragestellungen.

Helve: Danke fürs Interview.

Link zum Vaginamuseum
Homepage von Kerstin Rajnar: frau mag rosa pink
Das Interview ist auf dem Kulturweblog helve.org erschienen.


(>>> zurück)



:: g24.at ==> site created by skillz.biz ==> with POSTNUKE ==> host: effet.info :: Info & Impressum :: AGB :: Datenschutz