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parties / events / veranstaltungen / termine - Vortrag: Homosexualität in islamischen Gesellschaften

stbgraz - 20.05.2015, 23:33 Uhr
Titel: Vortrag: Homosexualität in islamischen Gesellschaften
Homosexualität in islamischen Gesellschaften

Vortrag und Diskussion mit Alex Gruber

Dienstag, 09.06. - 19:00
Hörsaal 15.12, Universitätsstraße 15 (Resowi), 8010 Graz


Gemäß islamischem Verständnis ist Homosexualität ein Verbrechen wider die göttliche Ordnung, das der Apostasie – also dem Abfall vom Glauben – gleichkommt. Im Iran etwa, wo das islamische Recht die Grundlage des Strafgesetzes bildet, steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. Die „gemeinschaftsschädlichen Triebe“, durch deren Vernichtung man sich die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Einheit verspricht, werden dabei in einem antiimperialistischen Wahn als durch den Westen in die islamische Welt importiert wahrgenommen.

Alex Gruber ist Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien, arbeitet für die Medienbeobachtungsstelle Naher Osten und ist Redakteur der Zeitschrift sans phrase. Zum Thema dieses Vortrages hat er veröffentlicht: Der Kampf gegen das „Freudenhaus der Bourgeoisie“. Zur Lage der Homosexuellen im Iran. In: Grigat/Hartmann (Hrsg.): Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer (2008).


Eine Veranstaltung der RosaLila PantherInnen, des Alternativ- sowie des Queerreferats der ÖH Uni Graz, von MiGaY und der stop the bomb - Hochschulgruppe Graz.

Eintritt frei!

http://on.fb.me/1Lchfnu
blubb - 21.05.2015, 17:02 Uhr
Titel: diese Vortragsankündigungen wirken ja sehr unhistorisch
Wir alle kennen die ensetzlichen Bilder der Schwulenverfolgung im Iran. Merkwürdigerweise finden viele, die sich -auch mit Recht- darüber aufregen, weniger dabei, wenn europäische Länder genau diese homophobe Verfolgung nicht als Asylgrund anerkennen. Warum ist das so?
Weil es hier nur um die konkreten Menschenleben geht, die sich dummerweise weniger gut zur westlichen Selbstinszenierung und Stereotypenbeschwörung eignen?

Grubers Vortrag muss sich der Kritik stellen, die Geschichte zu ignorieren, ahistorisch vorzugehen. Dabei erlaubt ein kurzer Rückblick ganz andere Interpretationen, als eine antideutsch vereinseitigte Sicht hier z.B. suggeriert.

Erstaunlich -aber nicht so einfach von der Hand zu weisen- ist Georg Klaudas Buch "Die Vertreibung aus dem Serail, Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt".

Aus dem Klappentext:
Zitat:
Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des "Orient" noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des "aufgeklärten" Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.


http://www.maennerschwarm.de/Verlag/htdocs/klauda1.html
http://allophilia.blogsport.de/2010/12/09/europa-und-die-heteronormalisierung-der-islamischen-welt-2/

Klaudas Sicht ist wohl unbequemer, als -so wie hier- sich einfach die gegenwärtigen islamischen Klerikalfaschisten anzukucken und daraus allgemein über den Islam oder den Iran zu sprechen.
Klauda leugnet oder verharmlost selbstverständlich nicht die heutige Homophobie im Iran, sondern versucht sie vielmehr geschichtlich zu rekonstruieren und kommt dabei zum Resultat, dass diese Zustände keineswegs immer so waren und sich auch nicht aus einem ahistorischen Wesen des Islam ergeben haben.

Gruber wird wohl infamerweise unterstellen, Klauda treffe sich "nicht zufällig mit arabischen und islamischen Verschwörungstheoretikern [..], wenn diese, in der Sprache zwar vielleicht radikaler, im Inhalt aber deckungsgleich, behaupten, „westliche Überheblichkeit und Korruption" erzeugten Homosexualität, wo sie gar nicht existiere" (https://www.youtube.com/watch?v=i1d_Pu9zl4I)

Doch Klauda könnte sich nicht im schärferen Gegensatz zu den Behauptungen heutiger politischer und religiöser Eliten im Islam befinden: Nicht sind gleichgeschlechtliche L(i)ebensweisen ein "westliches Importprodukt" - im Gegenteil wurde gleichgeschlechtliche Erotik im osmanischen Reich bis zum 19. Jahrhundert als normal angesehen, während in Europa Schwule verfolgt und getötet, kriminalisiert und psychiatrisiert wurden.
Demnach ist die scheinbar "antimoderne" Homophobie z.B. im Iran nur erklärbar als Ergebnis der gewaltsamen Angleichung an die Denkformen europäischer ehemaliger Kolonialherren.
Ein blinder Fleck, vermutlich sowohl bei Gruber als auch bei Klauda, ist homosexuelle Erotik zwischen Frauen. Das hat auch damit zu tun, dass diese scheinbar allgemein eher totgeschwiegen wird, als direkt durch staatliche Gewalt bekämpft (wie zwischen Männern).

Doch um ernsthaft die heutigen katastrophalen Zustände staatlicher Homophobie z.B. im Iran zu bekämpfen, müssen diese verstanden werden. Hier lohnt es sich, etwas gründlicher nachzulesen, als sich nur die Sichtweise Gruber/Grigat/Stop the Bomb anzuhören und sich dabei etwas auf die eigene Progressivität einzubilden.

EDIT: Mehr von Georg Klauda: http://www.georgklauda.de http://lysis.blogsport.de
Rezensionen:

Die Debatte ist ja eigentlich bereits alt, umso bestürzender, wenn Gruber 2015 noch immer heutige Homophobie im Islam nur als vormodernes Relikt - also nicht als Produkt einer dialektischen Aufklärung - interpretieren kann; und dabei behauptet, islamische Gesellschaften seien heute deshalb homophob, weil die Moderne darin angeblich weniger Brüche hervorgerufen hätte als in christlichen Westen.
Historisch widersprüchlichen Phänomenen Rechnung tragen zu können, scheint mir nicht gerade ein Aushängeschild antideutscher Marxinterpretationen zu sein...
Tini - 09.06.2015, 15:09 Uhr
Titel:
Ahh schaffe ich zeitlich leider nicht mehr, aber auf jeden Fall ein interessantes und wichtiges Thema.
loch - 26.06.2015, 07:54 Uhr
Titel: Re: Vortrag: Homosexualität in islamischen Gesellschaften
stbgraz hat folgendes geschrieben:
Homosexualität in islamischen Gesellschaften

Vortrag und Diskussion mit Alex Gruber

Dienstag, 09.06. - 19:00
Hörsaal 15.12, Universitätsstraße 15 (Resowi), 8010 Graz


Gemäß islamischem Verständnis ist Homosexualität ein Verbrechen wider die göttliche Ordnung, das der Apostasie – also dem Abfall vom Glauben – gleichkommt. Im Iran etwa, wo das islamische Recht die Grundlage des Strafgesetzes bildet, steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. Die „gemeinschaftsschädlichen Triebe“, durch deren Vernichtung man sich die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Einheit verspricht, werden dabei in einem antiimperialistischen Wahn als durch den Westen in die islamische Welt importiert wahrgenommen.

Alex Gruber ist Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien, arbeitet für die Medienbeobachtungsstelle Naher Osten und ist Redakteur der Zeitschrift sans phrase. Zum Thema dieses Vortrages hat er veröffentlicht: Der Kampf gegen das „Freudenhaus der Bourgeoisie“. Zur Lage der Homosexuellen im Iran. In: Grigat/Hartmann (Hrsg.): Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer (2008).


Eine Veranstaltung der RosaLila PantherInnen, des Alternativ- sowie des Queerreferats der ÖH Uni Graz, von MiGaY und der stop the bomb - Hochschulgruppe Graz.

Eintritt frei!

http://on.fb.me/1Lchfnu



ach schon wieder iran - bashing von den bombenphobikern von stop the bomb.

warum geht es immer nur gegen den iran - ist js faaad !!!

die amerikafreunde - die saudis und uae-staaten tun sich ja da besonders hervor .

warum nimmt sich ihnen nicht netanjahu selbst an - der ist doch so korrupt - dass er sogar yair lapid und die ultras(orthodoxe) unter einen hut zaubert.

und im abendland alles roger mit homophopie -oder was?

ach immer diese propaganda der israelischen rechten - is ja echt scheisse !

loch
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