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skillz
Titel: Fr. 28.03 - Land Of Human Rights - Ausstellungseröffnung #2  BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 09:58 Uhr
-.*.-


Beiträge: 3726
Wohnort: Graz
<rotor> eröffnet am Freitag, den 28.März um 20.00 Uhr die zweite Ausstellung im Rahmen des Projekts "Land of Human Rights" - "An der Grenze des Denkbaren"



L A N D O F H U M A N R I G H T S

www.landofhumanrights.eu
.............................................................................................................................................
ERÖFFNUNG DER 2. AUSTELLUNG
Land of Human Rights: An der Grenze des Denkbaren
am Freitag, 28. März 2008, 20 Uhr
Ort: <rotor>, Volksgartenstraße 6a, 8020 Graz


Petra Gerschner, history is a work in process

KünstlerInnen der Ausstellung:
Ursula Biemann (Zürich), The Maghreb Connection: Doa Aly (Kairo), Hala Elkoussy (Kairo / Amsterdam), Raphaël Cuomo / Maria Iorio (Berlin / Genf), Charles Heller (London / Genf)
Michael Blum (Wien / New York), Luchezar Boyadjiev (Sofia), Eduard Freudmann / Can Gülcü / Lorenz Aggermann (Wien / Beograd), Petra Gerschner (München), Joachim Hainzl (Graz), Lala Rascic (Zagreb), Sofie Thorsen (Wien)

Mit einer Eröffnungsrede von Robert Reithofer

Die Festung Europa wird ausgebaut. Dabei arbeitet die EU vermehrt mit benachbarten Ländern zusammen, damit diese bereits den Migrationsstrom aufhalten. Wer dennoch durchkommt muss damit rechnen, unter unmenschlichen Bedingungen abgeschoben zu werden. Auch innerhalb Europas nehmen Ausgrenzungen zu, um bestimmte Bevölkerungsgruppen vom öffentlichen Leben auszuschließen. Andererseits entstehen "Gated Communities", die den BewohnerInnen das Gefühl der absoluten Sicherheit geben sollen.

Ausstellungsdauer: 29.3.-6.6.2008
Öffnungszeiten: MO-FR, 10:00-18:00, SA 10:00-13:00
Geführte Rundgänge: Jeden Samstag um 11 Uhr

Freier Eintritt!

.............................................................................................................................................
KÜNSTLERINNENGESPRÄCH
Ursula Biemann "Sahara Chronicle"
Samstag, 29. März 2008, 15 Uhr
Ort: <rotor>, Volksgartenstraße 6a, 8020 Graz

Ursula Biemann spricht über Sahara Chronicle, eine Sammlung von Videoarbeiten zu den postkolonialen Verhältnissen, die dem gegenwärtigen Exodus aus dem Subsahara-Afrika Richtung Europa zu Grunde liegen.

Freier Eintritt!

www.landofhumanrights.eu

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skillz
Titel:   BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 10:23 Uhr
-.*.-


Beiträge: 3726
Wohnort: Graz
Hier noch der ausführliche Text über den Background der Ausstellung und die beteiligten KünstlerInnen:

Die Grenzen dicht machen
Die Festung Europa wird ausgebaut. Dabei arbeitet die EU vermehrt mit benachbarten Ländern zusammen, damit diese bereits den Migrationsstrom aufhalten und MigrantInnen zurückweisen, die nach der Definition der EU keine Berechtigung zur Einreise haben. Dennoch werden Menschen versuchen nach Europa zu gelangen; sie kommen aus Ländern, in denen Andersdenkende um ihr Leben fürchten müssen, und aus Ländern mit desaströsen Lebensbedingungen und fehlenden Überlebensmöglichkeiten. Wenn man in Betracht zieht, wie viele 100 Millionen Menschen in Ländern des Südens in extremer Armut leben, ist es erstaunlich, dass sich nicht noch mehr auf den Weg ins wohlhabende Europa machen und die Festung stürmen. Die Lage an den Außengrenzen der EU ist dramatisch. Jährlich kommen tausende Menschen beim Versuch ums Leben, in die Festung Europa zu gelangen. Sie sterben auf überfüllten Booten, die auf der Überfahrt nach Italien, Spanien oder die Kanarischen Inseln kentern, ersticken eingepfercht in Frachtcontainern, erleiden tödliche Verletzungen an den meterhohen Zäunen der spanischen Exklaven in Nordafrika oder schaffen es gar nicht bis dort hin, scheitern bei der Durchquerung der Sahara.

Die EU arbeitet bei der Abwehr der Migrationsströme aus dem Subsahara-Afrika mit Maghreb-Ländern zusammen, deren demokratische und menschenrechtliche Lage zweifelhaft ist. Sie erhalten finanzielle Unterstützung und technologische Ausrüstung zur besseren Umsetzung des beabsichtigten Ziels: Die Menschen, die sich nach Europa auf den Weg gemacht haben noch vor Erreichen der EU-Außengrenze zu stoppen.

Abschieben
Natürlich schaffen viele die Einreise nach Europa. Wie hoch man auch die Grenzen ziehen mag, sie werden nie hoch genug sein, um jene dauerhaft aufzuhalten, die sich entschlossen haben, der politischen oder ökonomischen Misere im Heimatland, der persönlich erlebten Notlage zu entfliehen. In Europa angekommen werden die MigrantInnen dann administriert und kaserniert, werden Asylanträge geprüft und die Menschen oftmals umgehend in Schubhaft genommen. Abgesehen von der immer enger werdenden Auslegung des Menschenrechts auf Asyl, um Schutz vor Verfolgung zu finden, ist es eine unakzeptable Tatsache, dass Menschen inhaftiert werden, ohne eine Straftat begangen zu haben – ihr „Vergehen“ ist die Flucht vor Verfolgung und Armut und die Sehnsucht nach dem persönlichen Glück. Der engen Auslegung des Asylrechts folgend wird die Mehrheit der Asylanträge abgelehnt. Den Menschen wird das Aufenthaltsrecht entzogen und sie werden abgeschoben. Wie mit jenen verfahren wird, die kein Aufenthaltsrecht in Europa erhalten haben, entbehrt in vielen Fällen jeder Menschlichkeit und weckt Erinnerungen an totalitäre Systeme. Menschen werden aus dem Schlaf gerissen und befinden sich kurz darauf im Flugzeug „nach Hause“, Familien werden zerrissen, Kinder von der Schule weg in „Gewahrsam“ genommen, Menschen erscheinen plötzlich nicht mehr an ihrem festen Arbeitsplatz. Unzählige Fälle sind dokumentiert. „Tot oder lebendig“, diese Redewendung ist leider in diesem Zusammenhang nicht so absurd, wie es klingen mag, zu viele sind bei der Abschiebung schon ums Leben gebracht worden. Wie ist das im Europa des 21. Jahrhunderts möglich? Gibt es überhaupt noch sowas wie einen europäischen humanistischen Geist?

Ausgrenzungen innerhalb Europas
Die EU ist also sehr damit beschäftigt, die Grenzen dicht zu machen und jene, die es dennoch geschafft haben durchzudringen, wieder umgehend zurück zu verfrachten. In einer parallelen Entwicklung dazu finden innere Ausgrenzungen statt. Die Vorstellung, Europa zur Gänze dicht machen zu müssen und zu können überträgt sich auch auf innere Strukturen. Zunehmend wird bestimmten Bevölkerungsgruppen der Zugang zu öffentlichen Bereichen verwehrt. Vermeintlich unliebsame Menschen, solche, die sich außer der Norm verhalten, „Wenigerheiten“ (auch bekannt unter „Minderheiten“) sollen von bestimmten Territorien ferngehalten werden. Sie sollen sich nicht öffentlich treffen, sollen auf der Straße keine Musik und auch sonst kein Aufsehen machen, sie sollen nicht demonstrieren, für ihre Rechte oder die Rechte anderer eintreten, sie sollen kein „öffentliches Ärgernis“ erregen. Sie sollen für die Mehrheit unsichtbar bleiben, werden ausgegrenzt, an den Rand gedrängt, ghettoisiert. Ihre BürgerInnenrechte hin oder her. Wichtig ist, dass der öffentliche Raum sauber, sicher, überschaubar und kontrollierbar bleibt.
Der Sicherheitswahn greift um sich. Kaum ein Eck, das ohne Kameras auskommt. Und es gibt immer mehr Arten von Uniformierten, die allesamt keine Exekutivorgane sind, sich aber so gebärden, und eine durch die Uniform suggerierte Autorität missbräuchlich einsetzen.

Kleine Festungen
Die Vorstellung auch innerhalb Europas Zonen absoluter Sicherheit einrichten zu müssen und zu können führt zum Festungsbau. Der Bedarf dafür entsteht vermehrt dann, wenn die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft ungestört unter sich sein wollen, etwa beim World Economic Forum oder Gipfeltreffen wie dem G8 in Heiligendamm 2007. Dann werden temporäre Festungen mit erstaunlichem finanziellem Aufwand hochgezogen und mit einem massiven Robocop- und Militäraufgebot „unangreifbar“ gemacht.
Ein weiteres bemerkenswertes Phänomen sind „Gated Communities“, die für Menschen errichtet werden, die sich eine 24-Stunden Bewachung leisten und völlig abgekoppelt vom restlichen sozialen Leben einer Gesellschaft hinter Zäunen und Sicherheitsschleusen leben wollen. Zutritt zur Community hat nur, wer dort wohnt und wer erwünscht ist. Alle anderen müssen vor den Zäunen und Schleusen bleiben. Diese Orte wollen ihren BewohnerInnen das Gefühl eines Lebens in Sicherheit vermitteln. Was draußen in der Welt vorgeht, rund um ihre kleinen sterilen Festungen, das soll sie nicht belangen.

*****

Zu den gezeigten Arbeiten der KünstlerInnen

Von Ursula Biemann aus Zürich sind Video- und Printarbeiten aus dem Zyklus Sahara Chronicle, 2006-07, zu sehen. Dieses umfangreiche Werk befasst sich mit den Migrationsströmen aus dem Subsahara-Afrika durch die Sahara Richtung Maghreb und in weiterer Folge Richtung Europa. Seit dem Festungsbau am europäischen Außenrand und dem Druck auf die Maghreb-Länder, den Migrationsfluss aus dem Süden zu dämmen, ist die Sahara zu einer umstrittenen Mobilitätszone geworden. Im Fokus steht der von den Tuareg organisierte Transfer von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben durch die Wüste. In dieser harschen Gegend haben die Tuareg ein System für Informationsübermittlung, Reiserouten und Orientierung im Gelände entwickelt und sich so die wichtigste Ressource in diesen Breitengraden nutzbar gemacht: die Mobilität.

In enger Verbindung dazu steht das Projekt The Maghreb Connection, das unter der Leitung von Ursula Biemann eine Reihe von KünstlerInnen veranlasste, sich mit der Migrationssituation in der Maghreb-Zone und vor allem mit den dortigen von Europa gelenkten Mechanismen der Abschottung zu befassen. In einem Videoarchiv sind Arbeiten folgender KünstlerInnen zu sehen: Doa Aly (Kairo), Hala Elkoussy (Kairo / Amsterdam), Raphaël Cuomo / Maria Iorio (Berlin / Genf), Charles Heller (London / Genf)

Michael Blum, bis vor kurzem in Wien wohnhaft und nun in New York, präsentiert ein von <rotor> produziertes Buch, an dem er mehr als ein Jahr gearbeitet hat. Mein Land, so der Titel der Publikation, ist eine Sammlung von rund einhundert komprimierten Texten über Abschiebungsfälle in Europa. Ausgehend von den täglichen Berichten über Abschiebungen von Menschen ohne Aufenthalts-bewilligung entwickelt Michael Blum eine abschreckende Litanei der im Namen von Rechts-staatlichkeit und Demokratie erlittenen Schicksale und zerstörten Leben.
Das Buch erscheint im Unrast Verlag, Münster und entstand in Zusammenarbeit mit der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik

Luchezar Boyadjiev aus Sofia ist ein aufmerksamer Analytiker und Chronist der Transformationen in Osteuropa und vor allem in seinem Heimatland Bulgarien. In einer neuen, eigens für die Ausstellung entwickelten Arbeit, schildert er die Verquickungen von Wirtschafts- und Politikinteressen, die im Übergang vom Kommunismus zum Kapitalismus eine Reihe von dramatischen Veränderungen ins Bild osteuropäischer Städte gebracht hat.

Eduard Freudmann, Can Gülcü und Lorenz Aggermann, in Wien und Belgrad tätig, haben mit dem Buch Beograd Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung, erschienen 2008 im Verlag Drava, den Blick auf einen Ort gerichtet, an dem sich beispielhaft die jüngere Geschichte der Roma in Südosteuropa ablesen läßt. Es enthält grundlegende Informationen über die sozialen wie ökonomischen Strukturen innerhalb der Siedlung und legt die vielschichtigen Mechanismen von Marginalisierung und Diskriminierung ihrer BewohnerInnen bloß.

Die Münchner Künstlerin Petra Gerschner untersucht in ihrer Diainstallation history is a work in process, 2008, die Vorgänge rund um die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007. Die Gipfeltreffen sind seit Jahren zu globalen Kristallisationspunkten von Protest und Widerstand geworden. Die offizielle Geschichtsschreibung ist Ausdruck politischer Interessenskonstellationen und realer Machtverhältnisse einer Gesellschaft und dokumentiert ihre vorherrschende Selbstsicht. history is a work in process beleuchtet dagegen historische Erfahrungen und Prozesse, die in dieser Darstellung gesellschaftlicher Erinnerung keine Repräsentanz finden.

Der in Graz lebende Joachim Hainzl arbeitet mit Mechanismen des Ausschlusses im öffentlichen Raum der Stadt Graz und im besonderen am Beispiel des Hauptbahnhofes. Er berührt in seiner Installation Bereiche wie Security und deren gesetzliche Kompetenzen, Überwachung und die Auswirkungen für den einzelnen, Alkoholverbot im öffentlichen Raum, Denkmalnutzung – privat versus öffentlich im Allgemeinen. Sämtliche Elemente des öffenlichen Raumes, die die Ausschlussmechanismen am Grazer Hauptbahnhof manifestieren fließen in seine Arbeit ein. Ein wesentlicher Bestandteil befasst sich mit den Auswirkungen der Einschränkungen auf den/die EinzelneN.

Lala Ra¨čić aus Zagreb präsentiert eine Reihe von Zeichnungen aus ihrer Serie The Invisibles, 2005. Unsichtbarkeit wird hier, wie in H.G.Wells Novelle „The Invisible Man“, als Metapher für die Außenseiter gesehen, für die sozial Ausgerenzten. Die Zeichnungen erfassen verschiedene Apsekte von Unsichtbarkeit: Soziales und rechtliches Nichtexistieren, den Begriff des Verschwindens, Dinge, die sich bewußt unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielen, die Vorstellung der damit verbundenen Freiheit und die „was wäre wenn“-Realität einer tatsächlich physisch unsichtbaren Person.

Die in Wien lebende gebürtige Dänin Sofie Thorsen analysiert in ihrer Arbeit Village fig. 9/The Golden Castle That Hung In The Air, 2005, Gated Communities als Extremform eines „Dorfes“. Am konkreten Beispiel einer solchen umzäunten Siedlung in Warschau untersucht sie die Strukturmerkmale dieses Siedlungstypus sowie die Vorstellung von Sicherheit, die zum Bau solcher Anlagen führt und Menschen veranlasst sich innerhalb der Zäune und Sicherheitsschleusen niederzulassen.

www.landofhumanrights.eu

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skillz
Titel:   BeitragVerfasst am: 27.03.2008, 18:01 Uhr
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fix dabei! spannendes und wichtiges thema!

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