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koax
Titel: Das Kunsthaus wachküssen?  BeitragVerfasst am: 27.04.2014, 19:30 Uhr



Beiträge: 408
Wohnort: Graz
Zitat:
Nagl will das Kunsthaus "wachküssen"

Die Stadt Graz soll das moderne Wahrzeichen vom Universalmuseum Joanneum übernehmen und künftig zweijährig wechselnde Programmierungen ausschreiben.



Es ist das moderne Wahrzeichen der Stadt, das mit seiner blauen Blase weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt. Doch während der Friendly Alien eines der beliebtesten Foto-Motive vom Schloßberg aus ist, hält sich der Ansturm auf die Ausstellungen im Inneren des Grazer Kunsthauses in Grenzen. Geht es nach dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, hat die Stadt da lange genug zugesehen. Er will nun Betrieb und Programmierung des Ausstellungshauses am Lendkai komplett umkrempeln.

"Mir liegt die Strahlkraft des Kunsthauses am Herzen - und es braucht neue Impulse und viel mehr Bewegung und Besucher", legt der Grazer Stadtchef nach: "Wir sollten das Haus nicht länger dem Universalmuseum Joanneum überlassen."
Die Stadt soll die Zügel in die Hand nehmen, aber Kreative an Bord holen: "Wir könnten die Programmierung jeweils für ein oder zwei Jahre ausschreiben. Das beste Konzept kommt zum Zug." Vorstellen kann sich Nagl vieles: Der "steirische herbst" könne ein Jahr lang eine fixe Bleibe zur Bespielung bekommen, auch ein Designmuseum auf Zeit hätte Potenzial. Aber da seien in Zukunft eben Künstler, Kreative, Konzerne oder auch die Grazer Universitäten gefordert, um Konzepte vorzulegen: "Öfter wechselnde Schwerpunkte bringen mehr Dynamik und größere Neugierde der Besucher."
Die Neugier der Besucher hat sich beim Kunsthaus zuletzt eher in Grenzen gehalten. Im Kulturhauptstadtjahr hatte man sich die Latte ja bei 100.000 Besuchern gelegt und das war nicht ganz utopisch, konnte man doch 2008 die 500.000. Besucherin feierlich begrüßt. Doch zuletzt schwächelte das Haus am Kai. 2011 führte man in der Statistik 65.826 Besucher, 2012 kamen laut Stadt Graz nur noch 51.482.
5,8 Millionen Euro pro Jahr
Die Karotte, die Nagl allen künftigen Konzeptionisten vor die Nase hängt: "Es gibt da ja ein ansehnliches Gesamtbudget fürs Kunsthaus von jährlich fast 5,8 Millionen Euro, die Stadt und Land stemmen." Das müsste doch Anreiz genug sein, um tolle Konzepte vorzulegen. Inkludiert sind da aber auch die jährlichen Leasingraten von 1,8 Millionen Euro, die ebenfalls Stadt und Land für das 2003 um 42,9 Millionen Euro errichtete Kunsthaus noch neun Jahre lang zahlen.
Angesichts der Kosten müsse das Kunsthaus einfach auch mit seinen inneren Werten viel mehr Resonanz erzeugen, fordert Nagl, der das aber nicht als Kritik an Kunsthaus-Chef Peter Pakesch verstanden will: "Er hat im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten mit der Positionierung als Museum zeitgenössischer bildender Kunst gute Arbeit geleistet." Doch für eine Belebung des Wahrzeichens reiche das nicht.
Organisatorisch will Nagl das so gestalten: "Die Stadt übernimmt das Kunsthaus wieder und retourniert dafür ihre 2003 erworbene 15-Prozent-Beteiligung am Universal Museum Joanneum ans Land." Mit dem Land wolle er aber verhandeln, dass es trotzdem weiter seinen Beitrag zum Budget für die blaue Blase leistet. Was Programmierung und Positionierung angeht, wünscht sich Nagl nur eines: "Ich erhoffe mir eine breite Diskussion."

via kleine zeitung / bernd hecke http://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/graz/3614187/nagl-will-kunsthaus-wachkuessen.story


meiner Meinung nach ist es schon ansatzweise überlegenswert. das finden ja auch andere stadtregierungspolitiker. ob die positionierung des kunsthauses auch international so wahrgenommen wird, wie es peter pakesch immer wiederbetont weiß ich nicht, da kenne ich die internationale szene zu wenig. jedoch ist die adaptierung "auch für"konzerne" (wird glaub ich in einem anderen artikel erwähnt) etwas problematisch und ich denke auch, dass die mitarbeiter des kunsthauses über das joanneum arbeitsrechtlich besser abgesichert sind als wenn die stadt graz das ruder übernimmt und neue arbeitsverträge aushandelt. aber das ist mehr spekulation meinerseits.

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"8measures"
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skillz
Titel:   BeitragVerfasst am: 30.04.2014, 10:24 Uhr
-.*.-


Beiträge: 3726
Wohnort: Graz
offener brief:

Zitat:




Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Franz Voves,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,
sehr geehter Herr Landesrat Dr. Christian Buchmann,
sehr geehrte Frau Stadträtin Lisa Rücker,

mit großem Befremden haben die unterzeichnenden LeiterInnen Grazer Institutionen im Bereich zeitgenössischer Kunst die durch die Medien kolportierte kulturpolitische Debatte wahrgenommen, in deren Zentrum die Rolle und Funktion des Kunsthaus Graz steht, die jedoch weit darüber hinaus zu gehen scheint.

Aus diesem Grund sehen wir uns zur folgenden Stellungnahme gezwungen.
Wir ersuchen Sie höflich, aber dringend, die bemerkenswerten kulturellen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht durch vorschnelle Beschlüsse über die weitere Zukunft einer kulturellen Leitinstitution in Graz in Frage zu stellen.


Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Braun, Camera Austria
Sandro Droschl, Künstlerhaus KM–
Krist Gruijthuijsen, Grazer Kunstverein
Reni Hofmüller, ESC medien kunst labor
IG Kultur Steiermark
Veronica Kaup-Hasler, steirischer herbst
Astrid Kury, Akademie Graz
Margarethe Makovec, Anton Lederer, <rotor> Zentrum für zeitgenössische Kunst
Barbara Pichler, Diagonale
Heidrun Primas, Forum Stadtpark
Johannes Rauchenberger, Kulturzentrum bei den Minoriten
Eva Ursprung, Schaumbad Graz


Stellungnahme zur aktuellen kulturpolitischen Debatte

Vor etwas mehr als 10 Jahren hat sich die Politik der Stadt Graz für ihren Mut und ihre Entschlossenheit gefeiert, ein ungewöhnliches Gebäude für zeitgenössische Kunst realisiert zu haben, das dezidiert kein Museum werden sollte, sondern eine Art Kunsthalle, die sich der Kunst ab den 1960er Jahren widmen soll. Das Kunsthaus Graz war ein fehlender Baustein, das Flaggschiff für die reichhaltigen Aktivitäten im Bereich zeitgenössischer Kunst in Graz: mit Institutionen und Festivals wie dem Forum Stadtpark, dem Grazer Kunstverein, dem Künstlerhaus, <rotor>, dem Kulturzentrum bei den Minoriten, Camera Austria, der Diagonale, elevate Festival, steirischer herbst und eben dem Kunsthaus Graz, um nur die bekanntesten zu nennen, verfügt die Stadt angesichts ihrer Größe über eine nahezu weltweit einmalige Vielfalt an Orten, die sich der zeitgenössischen Kunst widmen. Auch städteplanerisch hat sich der gewünschte Effekt eingestellt, dass sich im Umfeld des Gebäudes ein Mikrokosmos an zeitgenössischem, urbanem Lebensgefühl entwickelt hat.

Nun hat die Kulturpolitik der Stadt dieses Potenzial in den letzten 10 Jahren weitgehend verspielt. Anstatt, um Helmut Strobl zu zitieren, dort zu investieren, wo die Stadt stark ist und um die — auch touristische — Vermittlung dieses Potenzials im internationalen Städtewettbewerb zu nützen werden Budgets knapper, Leitprojekte wie der steirische herbst wurden immer wieder in Frage gestellt und sind — trotz aktueller Erhöhungen — kaufkraftbereinigt auf dem Stand der 1990er Jahre. Derzeit verfügen 8 der wichtigsten Institutionen der Stadt nicht einmal über gesicherte Budgets für 2015, ganz zu schweigen von angemessenen mehrjährigen Förderverträgen für die Jahre danach. Dennoch ist offensichtlich Geld vorhanden, um den Betrieb des Kunsthauses zu übernehmen und aus dem Verbund des Universalmuseums zu lösen.

Der Wunsch, mehr Publikum dazu zu bewegen, das Kunsthaus zu besuchen, es „wachzuküssen“ wird mit stereotypen Ideen vorgetragen: mit Worthülsen wie „Impuls" und „Innovation“ wird kaschiert, dass es um das Abgesicherte, Populäre gehen soll, um „große Namen", die die Öffentlichkeit kennt und die dieses Schon-Kennen bestätigt sehen will. Abgesehen davon, dass Öffentlichkeit und Publikum immer wieder unterschätzt werden — die „neue Dynamik“ soll sich rückwärts richten, nett anzusehen sein: Kunst als Entertainment. In der selben Weise, in der sich die Politik von den Konflikten der Gegenwart überfordert sieht — Migration, kulturelle Diversität, zunehmende soziale Ungerechtigkeit, etc. etc. — sollen diese auch keinen Platz mehr in den Ausstellungshäusern der Stadt finden. Ob die künstlerische Arbeit eines Roy Lichtenstein — ein Name, der gefallen ist — die entsprechende Form ist, in der sich unsere Gegenwart über ihren Zustand befragt, sei jedenfalls bezweifelt — ohne damit dessen Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts schmälern zu wollen. Allerdings befinden wir uns bereits im 21. Jahrhundert.

Zuguterletzt werden BesucherInnenmengen, die Kunst konsumieren, mit „Aktivität“ und „Dynamik“ verwechselt.

Doch ist dies alles auf Vermutungen aufgebaut: Wie meistens, erfahren die KulturproduzentInnen selbst aus der Zeitung über die „politische“ Debatte — ihre Expertise wird kaum jemals zu Rate gezogen. Fragen der Kultur und der Kunst der Gegenwart werden im Habitus der Obrigkeit besprochen, die AkteurInnen bestenfalls mit den Konsequenzen konfrontiert.

Richard Kriesche hat ein Symposion zum Thema gefordert. Sicherlich ist es eine gute Idee, diese Fragen öffentlich zu besprechen. Doch handelt es sich dabei um eine Thematik, für die in Graz ohnehin kaum überschätzbares Know-How vorhanden ist. Bloß blieben und bleiben die vielen Argumente für die Wichtigkeit zeitgenössischer Kunst für das gesellschaftliche Klima, das kulturelle Milieu und die kulturelle Identität einer Stadt, so sie nicht ständig aus der Vergangenheit heraufbeschworen wird, schon bisher unberücksichtigt.

Vor mehr als drei Jahren hat sich eine Gruppe von AkteurInnen zusammengeschlossen, um ein kritisches Statement „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“ abzugeben. Einzig das Land Steiermark hat seitdem einen kontinuierlichen Dialog mit diesen KulturproduzentInnen geführt. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die Stadt Graz diesem Gespräch anschließt.


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skillz
Titel:   BeitragVerfasst am: 30.04.2014, 13:13 Uhr
-.*.-


Beiträge: 3726
Wohnort: Graz

Protestnoten zur Kunsthaus-Debatte


http://www.museumsblog.at/2014/04/29/protestnoten/

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koax
Titel:   BeitragVerfasst am: 05.05.2014, 18:47 Uhr



Beiträge: 408
Wohnort: Graz
hab auf meinem blog einen kommentar verfasst und peter pakesch hat das angeblich gelesen und hat auf dem museumsblog des joanneum auch mal persönlicher stellung bezogen:

hier der webloglink zu helve:
http://helve.org/2014/05/01/2335/

hier der link zum aktuellen kommentar von peter pakesch:
http://www.museumsblog.at/2014/05/05/was-kann-das-kunsthaus-graz-und-was-koennen-wir-von-ihm-erwarten/

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