g24.at

Premiere "Dinge von größter Leichtigkeit"

kultur / kultur: kino / film
Datum: 29.04.2007, 15:00 Uhr
Graz, 26.04.2007: „Dinge von größter Schwere sollten mit größter Leichtigkeit begangen werden“… so oder ähnlich, war das Motto des von Markus Mörth gemachten Dokumentarfilms über vier BerwohnerInnen des Flüchtlinghauses „St. Gabriel“ in Graz in der Wiener Straße, welches von der Caritas organisiert wird.

Die Premiere war nahezu ausverkauft und selbst ein Vertreter der politischen Seite war anwesend um eine empathische Erklärungs- oder Eröffnungsrede zu halten – dabei war die Rede vom Reichtum Österreichs und dass es eine Schande sei, was dieses Land ankommenden Flüchtlingen bietet bzw eben nicht bietet, Kritik an den Asylverfahren oder wie schwierig es sei für AusländerInnen Fuß zu fassen. Ohne Frage dies stimmt natürlich, hört sich aber aus dem Mund eines SPÖ Politikers etwas kühn an, denn immerhin war es diese Partei, die vor nicht allzu langer Zeit den angestrebten Verschärfungen hinsichtlich des Asylgesetzes auf Bundesebene zustimmte. Und wie man den Medien entnehmen kann, derzeit wieder ein vieldiskutiertes Thema ist – vor allem auf der Suche nach Sündenböcken.



Der Einstieg des Films gestaltet sich still und leise, zum besseren Verständnis hat der Kinobesucher zunächst zu lesen, was es eigentlich heißt als Asylwerber in das Land Österreich zu kommen um sich wenig später mitten im Leben des Flüchtlingsheim wieder zu finden.
Porträtiert, oder besser gesagt begleitet, werden vier vollkommen unterschiedliche Menschen: der Afrikaner Valentine, die - ich nehme mal an tschetschenische - Mutter Alona, Herr „China“ und der albanische Herr Hasani. Was schon sehr gut gewählt ist, da so sichtbar wird, dass es keinen typischen Flüchtling gibt, sondern alle ihre eigene Geschichte haben, die nun mal nicht in Statistiken er/gefasst werden können und gerade deshalb eine individuelle Betreuung unerlässlich machen. Ebenso unterschiedlich wie Herkunft, Definitionen von Glück oder familiäre Situationen sind ihre Bewältigungsstrategien im Alltag – während Valentine sich von Zeit zu Zeit für einige wenige Stunden in ein Hotel begibt oder über Flohmärkte streift um aus der Enge des Heimes ausbrechen zu können, haben Herr Hasani und Herr „China“ ihre Hauptbeschäftigung im „Wahl-Enkerl“, dem Sohn von Alona, gefunden.
Unkommentiert ist so die Kamera im Alltag immer dabei, zu Wort kommen die Menschen nur in Interviews, in denen es Mörth erstaunlich gut gelungen ist, als Mann hinter der Kamera eine recht enge Beziehung zu jenen vor ihr aufzubauen und ihnen Zeit zu geben. Darüber hinaus kommt auch die Arbeit der BetreuerInnen im Haus nicht zu kurz. Das macht den Film auch schon aus: es ist spürbar, dass diese Menschen gezwungenermaßen Zeit haben, meist viel zu viel, da sie zum Nichtstun verurteilt sind und nichts tun können außer Warten – und das jahrelang.
Happy End gibt es übrigens für keinen der Betroffenen, denn das hat das Leben sowieso nur ganz selten auf Lager – aber sich davon nicht entmutigen zu lassen, ist wohl die größte Kunst.



Also mein Tipp: sich einen der kommenden Aufführungstermine (3. Mai, 10. Mai, 17. Mai, 24. Mai, 31. Mai jeweils im UCI) nicht entgehen zu lassen um in diese Parallelwelt eintauchen zu können. Schade nur, dass der Film wahrscheinlich wirkliche Verantwortliche nicht in den Aufmerksamkeitsradius ziehen kann und vermutlich alles beim Alten bleiben wird.
Link zum Film: www.leichtigkeit-film.at


Der Beitrag kommt von g24.at
https://g24.at/

Die URL für diesen Beitrag lautet:
https://g24.at/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=535