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Typografie und Schriftentwicklung

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Datum: 23.01.2014, 14:51 Uhr
Was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff ein Zeichen? Im Allgemeinen kann man sagen, dass Gesten, Rauchschwaden oder eben auch geschriebene Zeichen (Buchstaben) Zeichen sind. Die Wissenschaft, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt nennt man Semiotik. Die Semiotik untersucht jene Mechanismen, wie ein Zeichen seine spezielle Bedeutung erhält oder wie diese entsteht.

Typografie & Schrift – Ein Überblick:

Was sind Zeichen? Was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff ein Zeichen? Im Allgemeinen kann man sagen, dass Gesten, Rauchschwaden oder eben auch geschriebene Zeichen (Buchstaben) Zeichen sind. Die Wissenschaft, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt nennt man Semiotik. Die Semiotik untersucht jene Mechanismen, wie ein Zeichen seine spezielle Bedeutung erhält oder wie diese entsteht. Im Prinzip unterscheidet man 3 Arten von Zeichen: Ikonische-, Symbol-, und Indexzeichen. Ein Index für schlechtes Wetter sind (meistens) graue Wolken am Himmel. Somit stehen diese grauen Wolken für die Möglichkeit, dass schlechtes Wetter aufzieht. Sie sind ein Index, dafür, dass es bald regnen könnte. Sie gehören in die Familie der Indexzeichen. Ikonische Zeichen sind zum Beispiel Buchstaben (Schriftzeichen) und Symbole sind Zeichen, die man fast automatisch mit einem Begriff verbindet. Sie sind Zeichen, die stellvertretend für das Thema stehen. So ist zum Beispiel das Logo von dem Computerprogramm I-Tunes ein Symbol für Musik, ein Begriff für das das Symbol der zwei mit einem Strich verbundenen Noten generell steht. Man kann sagen, dass Zeichen auch durch die Zeit an bestimmter Bedeutung gewinnen oder verlieren können, das Zeichen der jeweiligen Kulturwelt so angepasst sind, dass sie eindeutig vermitteln für was sie eigentlich genau stehen. So hat sich auch die Schrift und die Gestaltung von Schrift den Zeichen der Zeit in ihrer Entwicklung angepasst, abgesehen davon, dass natürlich auch technische Errungenschaften wie der Buchdruck entscheidend für die Entwicklung von Schrift und ihrer Gestaltung waren. 2 Aber gehen wir zurück zu früheren Zeiten in denen Schriftzeichen eine Rolle spielten. Für die Entwicklung von Zeichen und Schrift in unserem westlichen Kulturraum sind vor allem die Sumerer und die Gegend Mesopotamiens (der heutige Irak ) mit ihrem aus archäologischen Ausgrabungen erhaltenen Codex Hammurapi (einem Rechtstext in Keilschrift) von Bedeutung. Natürlich waren die Möglichkeiten dieser Schrift eingeschränkt, aber man erfährt auch, dass die Einwohner von Mesopotamien über eine Art Zinswesen verfügt haben, was mich persönlich sehr überrascht hat.

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Codex hammurapi - Louvre Paris

Die Entwicklung von Schriftzeichen nimmt ihren nächsten Höhepunkt wohl in der Welt des alten Ägypten. Die Hieroglyphenschrift war eine Art von Schriftsystem welches mehr auf der Begrifflichkeit von Symbolen fußte. Hieroglyphen standen für einen bestimmten Begriff. Es war wohl sehr kompliziert sich darüber verständlich zu machen. Stellen Sie sich einen Marktstand vor, der für sein frisches Gemüse Werbung machen wollte. Oder auch die voll beschriebenen Sterbekammern der Pharaonen waren für die damaligen Schriftmeister wohl eine anstrengende und mühselige Arbeit. Das änderte sich mit der Entwicklung des Alphabets des alten Griechenlands sehr. Das griechische Alphabet war ein Schriftsystem, wie wir es heute kennen, da durch Aneinanderreihen von Zeichen, Wörter und ihre jeweilige Bedeutung entstanden. Die alten Griechen lernten Wörter und ihre Bedeutung als ein System von Zeichen zu begreifen und ihnen spezielle Bedeutungen zuzuschreiben. Ein Tisch ist ein Wort aus fünf verschiedenen Buchstaben und man hat auch irgendwie ein Bild eines Tisches vor Augen wenn jemand darüber spricht oder man das Wort irgendwo liest. Unser heutiges Alphabet, das Lateinische Alphabet, unterscheidet sich nur in kleinen Teilen vom griechischen. Es stellt nach wie vor unser heutiges (westliches) Schriftsystem aus 26 Buchstaben dar. Auch im Bereich der Schriftgestaltung, auf die ich noch näher eingehen werde ist der Begriff „roman type“ in Verwendung. Das römische Reich, seine Größe und die Verbreitung ihrer Sprache und Schrift waren dafür verantwortlich. 2a Schrift nimmt Gestalt an. Die Verbreitung von Schriftstücken war im frühen Mittelalter eigentlich nur Mönchen vorbehalten und es waren meistens Abschriften von bekannten Bibeltexten. Diese handgeschriebenen Kopien waren relativ aufwendig in der Herstellung und man brauchte vor allem Zeit um sich der Arbeit an solch einem Buch überhaupt widmen zu können. Davon hatten Mönche wohl ausreichend doch die Verbreitung hielt sich aufgrund der lateinischen Sprache und der geringen Menge an Buchreproduktionen in Grenzen. Aufwendig gestaltete Anfangsbuchstaben eines Absatzes, so genannte Initialen, gehörten zum guten Ton und prägten diese alten Texte. Mittelalterliche Schriftgestaltung war aber schon damals von großem gestalterischen Feingefühl und Fachwissen geprägt. Schließlich wollte ein bereits angesehener Mönch (die Gestaltung gehörte zu einer der höher gestellten Aufgaben in einem Kloster) mit einer solchen Abschrift nicht nur mit seinen lateinischen Kenntnissen beeindrucken sondern auch ganz bestimmte gestalterische Akzente setzen, um sich von Arbeiten anderer Klostermönche abzuheben. Heute kann man solche Schriftstücke nur noch in größeren Bibliotheken bewundern, so auch in Graz wenn man an einer Sonderführung der Universitätsbibliothek an der Karl - Franzens Universität teilnimmt. (Eine empfehlenswerte Erfahrung.) Die Entwicklung der gesetzten Schrift durch Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks um 1450 (auch als Letterdruck bezeichnet) veränderte Schrift und Schriftgestaltung umfassend und weitreichend. Manche bezeichnen sie auch als die große technische Errungenschaft der Renaissance. Viele der damals verwendeten Begriffe spielen auch heute noch eine wesentliche Rolle in der Schriftgestaltung (Typografie). Der Letterdruck und seine Auswirkung auf die Typografie von heute: Ehzp_Begriffe Letterdruck Begriffe wie Dickte, Punze, Versalien, Versalhöhe, Oberlänge, Unterlänge, und Serifen sind auch aus dem heutigen Sprachgebrauch der Schriftgestaltung nicht wegzudenken. Gutenberg war nicht der einzige, wohl aber der erste, dem es gelang durch spezielle in Blei gegossene Lettern und einer Form ähnlich der Hochdrucktechnik ganze Seiten in einem gewissen Schriftbild zu drucken. Der Name dieser Schriftart ging auch als Blackletter (oder Textura) in die Typografie-Geschichte ein. Für den eigentlichen Druck waren die Buchstaben in einer Art Spannrahmen spiegelverkehrt (ein)gesetzt. Danach wurden sie mittels Farbwalzen eingestrichen, die Seite wurde aufgelegt und die Buchstaben wurden als gesetztes Schriftbild gedruckt. Durch diese Technik war es dem Mainzer Buchdrucker Johannes Gutenberg möglich seine aus 48 Zeilen pro Seite bestehende Bibel in sehr schneller Zeit zu drucken und so zu vervielfältigen. Er benötigte lediglich die Lettern neu einzustreichen und konnte das nächste Blatt Papier auflegen und so mehrere Seiten nacheinander drucken. Die Kopie wurde quasi erfunden und Seiten in gleichbleibender Qualität vervielfältigt. Durch seine Erfindung wurde Wissen auch mehr Menschen zugänglich. Vor allem revolutionierte er die Gestaltungsprinzipien von Schrift. Mit seinem Schriftbild Blackletter welches einer mittelalterlichen Handschrift nachgeahmt war aber auf ein paar wenigen aber wesentlichen Gestaltungsprinzipien beruhte, revolutionierte und prägte er die Schriftgestaltung bis heute.

blackletter_texturaTextura/Blackletter Quelle: http://typophile.com/node/100376

Die mittelalterlichen Buchdruckzentren Europas befanden sich in Mainz wie auch in Venedig. Bei den meisten niedergelassenen Druckern handelte es sich um Mitglieder gewachsener Buchdruckerfamilien, die sich der Verbreitung und dem Ausüben des Druckergewerbes verschrieben haben. Das Gestaltungsprinzip des Letterdruck blieb zwar relativ unverändert dennoch versuchte jeder Buchdrucker mittels Gestaltung eigener Schriften, ähnlich dem Mittelalter, sich einen Namen im Gewerbe zu machen und so zu Ansehen zu kommen. Bekannte Schriftgestalter dieser Zeit waren unter anderem die Druckerfamilie Didot in Frankreich oder John Baskerville in England. Das gestalten, entwerfen und setzen einer Schrift war ein Handwerk, welches große Kunstfertigkeit voraussetzte. Schließlich wurde und wird auch heute noch jeder einzelne Buchstabe nach vorher festgelegten Gestaltungsprinzipien am Schreibtisch entworfen und daher auch als geschnitten bezeichnet. Bis zu den Anfängen der Industrialisierung änderte sich an der Technik und dem Handwerk des Schriftschneidens relativ wenig. Die Tatsache dass Werbung und Schrift in Städten an Bedeutung gewann kann man auch anhand der breiten Gestaltungsvielfalt der Plakatkunst der 1900-1930er Jahre sehen.

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  3 Die Form folgt der Funktion. Gestaltungsprinzipien von Schrift. Da wir uns gerade eben mit dem Wesen eines Zeichens beschäftigt haben und ich die grundlegende geschichtliche Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert skizziert habe, geht es nun daran näher auf die unterschiedlichen Aspekte von Schriftarten einzugehen. Bei der Beschäftigung mit Schriften an sich ist das Verstehen, Interpretieren und verarbeiten von Informationen und der Anlass für wen man etwas gestalten möchte wohl am Wesentlichsten. Schriftgestaltung ist Folge der Funktion eines Textes. Wie der Text bei jemanden ankommt und ob der Leser bereit ist die Information aufzunehmen hängt also wesentlich von der Art des Textes ab. Ein Nachrichtenartikel in einer Zeitung ist anders gestaltet als eine Einladung für eine Geburtstagsparty. Ein Gedicht wird anders gestaltet als eine Einladung für ein Begräbnis, da der Betrachter eine andere Art des Textes vor sich hat und dementsprechend eine bestimmte Vorstellung der Gestaltung hat. Der Leser wird vom Gestalter in gewisser Weise zur Botschaft eines Textes geführt. Natürlich gibt es auch andere Ansätze, wie Schriftgestaltung auf Geschriebenes eingehen sollte. Vor kurzem bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, wo beschrieben ist, dass die Schriftgestaltung in den Hintergrund treten sollte. Die beste ausgefeilteste Schrift hilft einem nicht dabei einen Text besser verstehen zu können. Einfachheit hat eben auch ihren Reiz. (The Crystal Goblet by Beatrice Ward | http://gmunch.home.pipeline.com/typo-L/misc/ward.htm ) Makro- und Mikrotypografie: Prinzipiell unterscheidet man zwei größere Fachbereiche der Typografie. Die Makrotypografie beschäftigt sich mit der Gestaltung einer ganzen Seite oder dem Layout eines Textes. Begriffe wie Laufweite, Grauwert, Blocksatz oder auch nicht entscheiden dabei über das Aussehen. Mikrotypografie orientiert sich dagegen am Zeichen selbst und beschäftigt sich mit den gestalterischen Aspekten eines einzelnen Letters oder Buchstaben. ta_magazin_seite10 2.1.1_Grafik_01       Klassifizierungen von Schriften gibt es viele verschiedene. Der Wille, Ordnung in das Chaos der vielen unterschiedlichen Schriften und Schriftfamilien zu bringen hat wohl schon den einen oder anderen an den Rand der Verzweiflung gebracht. Einige von Ihnen versuchen Schriftarten nach ihrer Entstehung, andere wieder nach ihrer Art oder ihren grundlegenden Gestaltungsprinzipien nach einzuordnen. Wenn man sich allein die Vielzahl der Schriften in Programmen wie Microsoft Word oder Adobe Photoshop anschaut ist man wohl selbst manchmal am Verzweifeln welche Schrift man verwenden möchte. Oder gar welche Schriften man miteinander kombinieren könnte. grobe Unterscheidungen bei Schriftfamilien und Beispiele: Serife Schriften wie Times New Roman, Georgia oder Calibri sind besonders geeignet für geschriebenen, gedruckten Text. Viele Bücher sind in einem serifen Schriftbild gestaltet. Die Textkörper sind sehr ausgewogen. Man bezeichnet Serife Schriften gern als von gestern und generell überholt aber genauso wie es im Autodesign oder der Mode zeitloses Design gibt, so sind serife Schriften aus dem Schriftgebrauch nicht wegzudenken. Sans-Serife Schriften wie Arial, Helvetica oder Trebuchet MS gehören zu den meistverwendeten Vertretern serif-loser Schriftarten. Von Helvetica behauptet man auch, dass es die meistverwendete Schrift in der heutigen Zeit ist. Sans-serife Schriften wirken auf den ersten Moment nüchtern und fast gestaltlos sind aber für das Lesen auf Bildschirmen oder Smartphones gut geeignet, aber auch Überschriften in großen Schriftgrößen werden gern in sans-serifen Schriften gestaltet. Sie wirken informativ und trotz ihres reduzierten Äußeres machen sie Lust, beim Lesen wie auch der Verwendung. Humanistische Sans-Serife, eine weitere Unterkategorie, greifen die Zeichenmerkmale beider Gruppen, der serifen wie auch der sans-serifen Schriften auf und kombinieren beide in fast spielerischer Weise. Ihr Erkennungsmerkmal sind die im Ansatz vorhandenen Serifen, obwohl sie vom Schriftbild und der Gesamtwirkung mehr den Sans-Serifen Schriften zugeordnet werden. Symbolschriften wie Windings oder andere Piktogrammschriften sind den alten Hieroglyphen und ihrer Zeichenwirkung nicht unähnlich. Ein alter Mann mit Stock, wie man es in Straßenbahnen oder Bussen immer sieht steht für eine ältere gebrechliche Person, der man seinen Sitzplatz überlassen soll. Und man versteht seine Bedeutung. Windings oder Webdings beinhalten aber Symbole, die man in einer Korrespondenz oder einem Serienbrief einsetzen kann. Schriften des Typus Monospace zeichnen sich durch den gleichen Abstand, bzw. gleich großen Weißraum aller Buchstaben aus. Vor allem große Reklameschriften werden aufgrund ihrer homogenen Form und auch wegen des weiten Abstands zum Betrachter in Monospace gestaltet.  Ein Schriftschnitt ist ein komplett gestaltetes Schriftsystem innerhalb einer Schriftfamilie. Moderne Schriften besitzen oft mehr als zwei Schriftschnitte wobei 2 von ihnen wohl jedem schon irgendwie untergekommen sind. Fett oder auch bold bezeichnet einen dick gedruckten Text und kursiv (italics- weil in Italien entstanden) einen leicht schräg gestellten Text. Beide Schriftschnitte helfen einem dabei gewisse Teile eines Textes vom Rest hervorzuheben. Wobei bold mehr für Überschriften und kursive Buchstaben für Teile eines Textkörpers, wie Zitate, Verwendung finden. Anzumerken wäre noch, dass es sich bei solchen Schriftschnitten um eigene Schriften handelt, die auch eigens gestaltet sind. Wie man es bei einem kleinen Vokal wie dem e auch sehen kann:

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Schlusswort: Typografie ist also die bewusste Auseinandersetzung mit der Wirkungsweise von Schrift, Text wie Buchstaben und ihre Wechselwirkung. Damit Bilder im Kopf des Betrachters entstehen bedarf es der Prinzipien von Textgestaltung um Klarheit und das Wesentliche eines Textes besser sichtbar und ihn lesbarer zu machen. Sie ist manchmal wohl die Essenz die versucht aus einem unformatierten Text das herauszuholen was mitunter zwischen den Zeilen verborgen liegt. Und sie ist oft die emotionale Brücke von Text, seiner Botschaft und dem Leser.


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